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Rheinsagen aus dem Munde des Volks und deutscher Dichter : für Schule, Haus und Wanderschaft
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256
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Mainz.

„Doch sage, mit welchen Ehren empficng dichDer Gott des Himmels? Sprich, wo du saßest?

Und laß uns wißen was du dort aßest?"

Sprach der Betrüger: „In einem WinkelNahm ich den Köchen ein Stückchen Lunge:

Das aß ich heimlich und schlich von dannen."

Herigcr ließ ihn greifen und binden

Und gleich am Schandpfahl öffentlich stäupen,

Ihn also scheltend mit harten Worten:

„Wenn dich an seinem Tische der Heiland

Will tränken und speisen, Schändlicher, kannst du

Nicht bei dir halten die langen Finger?"

Deutsches Volkslied -cs zehntenJahrhunderts.

115. WiUrgis.

Es sahn am Thum zu Mainz die adeligen HerrnDen Willegis zum Bischof nicht allewege gern.Der war ein Wagnerssohn:

Sie malten ihm zum HohnMit Kreide Räder an die Wand:

Die sah er wo er gieng und stand!

Doch es nahm WillegisAn dem Schimpf kein Acrgerniss.

Denn als der fromme Bischof die Räder da ersehn,So hieß er seinen Knecht nach einem Maler gehn:„Komm Maler, male mirOb jeder Thür dahierEin weißes Rad im rothen Feld,

Darunter sei die Schrift gestellt:

Willegis, Willegis,

Denk woher du^kommen sis!"