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Rheinsagen aus dem Munde des Volks und deutscher Dichter : für Schule, Haus und Wanderschaft
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255
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114. Der falsche Prophete.

Herigcr, Bischof der Mainzer Kirche,

Hört' einen falschen Propheten pralen,

Er habe Himmel und Hölle durchwandert.

Und von der Hölle zuvörderst macht' erDiese Beschreibung: Sie liege nach allenSeiten von dichten Wäldern umgürtet.

Herigcr lachend gab ihm die Antwort:

„Nach diesen Wäldern soll mir der SanhirtDie magern Ferkel zur Mästung treiben."

Noch sprach der Lügner: „Erhoben ward ichZum Himmelstempel: da sah ich ChristusBei Tafel sitzen und fröhlich schmausen.

„Mundschenke war ihm Johann der Täufer;Köstlichen Weines Becher credenzt' erAllen berufnen Heilgen des Himmels.

„Aber für Speise sorgte St. Peter,

Und in der Küche herrscht' er gewaltiglieber die Töpfe, Keßel und Pfannen."

Herigcr sagte: „Klüglich zum SchenkenHat den Johannes Christus geordnet,

Da dieser Heilige gar keinen Wein trinkt.

„Aber das lügst du, wenn du St. PeternMeldest zum Haupt der Köche geordnet,

Denn Pförtner ist er des hohen Himmels.