232
Rheingrafcnstein bei Kreuznach.
„Schlecht stimmet deines Kornes Klang,"Sprach der zur Rechten sanften Muths,
„Zu Feierglock und Chorgesang:
Kehr um! Erjagst dir heut nichts Guts.
Laß dich den guten Engel warnenUnd nicht vom Bösen dich umgarnen!"
„Jagt zu, jagt zu, mein edler Herr!"
Fiel rasch der linke Ritter drein.
„Was Glockenklang? Was Chorgeplärr!
Die Jagdlust mag euch daß erfreu»!
Laßt mich, was fürstlich ist, euch lehren,
Und euch von jenem nicht bethören!"
„Ha! Wohlgesprochen, lieber Mann!
Du bist ein Held nach meinem Sinn.
Wer nicht des Waidwerks Pflegen kann,
Der scher ans Paternoster hin:,
Mags, frommer Narr, dich baß verdrießen,
So will ich meine Lust doch büßen."
Und hurre hurre vorwärts gicngs,
Feld ein und aus, Berg ab und an.
Stäts ritten Reiter rechts und linksZu beiden Seiten neben an.
Auf sprang ein weißer Hirsch von ferneMit sechzehnzackigem Gehörne.
Und lauter stieß der Graf ins Horn;
Und rascher flogs zu Fuß und Ross.
Und sieh! bald hinten und bald vornStürzt einer todt dahin vom Tross.
„Laß stürzen! Laß zur Hölle stürzen!
Das darf nicht Fkrstenlust vcrwürzcn."
Das Wild duckt sich ins AehrenfeldUnd hofft da sichern Aufenthalt.
Sieh da! ein armer „Landmann stelltSich dar in kläglicher Gestalt.
„Erbarmen, lieber Herr, Erbarmen!
Verschont den säuern Schweiß der Armen!