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Rheinsagen aus dem Munde des Volks und deutscher Dichter : für Schule, Haus und Wanderschaft
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Rheingrafen st ein bei Kreuznach.

Der rechte Reiter sprengt heran,

Und warnt den Grafen sanft und gut.

Doch baß hetzt ihn der linke MannZu schadenfrohem Frevclmuth.

Der Graf verschmäht des Rechten WarnenUnd läßt vom Linken sich umgarnen.

„Hinweg, du Hund!" schnaubt fürchterlichDer Graf den armen Pflüger an,

„Sonst hetz ich selbst, beim Teufel! dick.Halloh, Gesellen, drauf und dran!

Znm Zeichen, daß ich wahr geschworen,Knallt ihm die Peitschen um die Ohren."

Gesagt, gethan! der Wildgraf schwangSich übern Hagen rasch voran,

Und binterher, bei Knall und Klang,

Der Tross mit Hund und Ross und Mann.Und Hund und Mann und Ross zerstampfteDie Halmen, daß der Acker dampfte.

Vom nahen Lärm cmporgeschcucht,

Feld ein und aus, Berg ab und anGesprengt, verfolgt, doch unerreicht,

Ereilt das Wild des Angers Plan;

Und mischt sich, da verschont zu werden,Schlau mitten zwischen zahme Herden.

Doch hin und her, durch Flur und Wald,Und her und hin, durch Wald und Flur,Verfolgen und crwittern baldDie raschen Hunde seine Spur.

Der Hirt, voll Angst für seine Herde,

Wirft vor dem Grafen sich zur Erde.

„Erbarmen, Herr, Erbarmen! LaßtMein armes stilles Vieh in Ruh!

Bedenket, lieber Herr, hier gras'tSo mancher armen Wittwe Kuh.

Ihr Eins und Alles spart der Armen!Erbarmen, lieber Herr, Erbarmen!"