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Rheinsagen aus dem Munde des Volks und deutscher Dichter : für Schule, Haus und Wanderschaft
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R ü d e s h e i m.

Wie schön zur AbendstundeDie Glocke ruft zum Wein!

Die Gläser in der Runde,

Sic klingen froh darein.

Das Läuten will nicht enden,

Du must noch eine spenden.

Nicht enden will das LäutenWas soll uns das bedeuten?ksrteotniQ omus trinum:

VInnm donum, donuin vinnm.

K. S.

100. St. Nicolaus.

Zu Rüdesheim an Brömsers Burg, da steht ein steinern Haus,

Und drin ein wunderwirkend Bild des Heilgen Nikolaus.

Ein Schiffer kniet davor und sieht: „Laß Gnade mir geschehn,

Mich und mein Schifflein unversehrt durchs Loch zu Bingen gehn.

„Und wenn du, heilger Nicolaus, mich des gewähret hast,

Eine Kerze stift ich deinem Haus wie meines Schiffes Mast."

Der Hcilge nickt Erhörung zu und pfeilschnell fliegt das SchiffAuf glatten Wellen unversehrt übers lauernde Felsenriff.

Da sprach der Schiffer und lachte derb: „Die Gefahr ist nicht so groß,Ich sehe wohl, mich beißen nicht die Fisch im Wellenschoß.

„Und du, habsüchtger Heilger du, will ewig sein verdammt,

Wenn nur ein Stümpfchen, singersgroß, vor deinem Bilde flammt."

Das Wort ist gesprochen, da kracht das Schiff, das Waßer schießt herein, 'Die Fische beißen den Schiffersmann; noch zeigt man sein Gebein.