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Rheinsagen aus dem Munde des Volks und deutscher Dichter : für Schule, Haus und Wanderschaft
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S v o n e ck.

„Und bis er einst verendet, rührt er nicht Schwert und Spieß,

Er schmachtet mir geblendet im tiefsten Burgverlies.

Doch waget nur, ihr Stolzen, ich wette hoch und viel,

Der Blinde schießt den Bolzen ins aufgesteckte Ziel."

Da schallt ein wildes Schreien, ein Klatschen Hand in HandBis zwischen zwei und zweien der Preis der Wette stand.

Dann giebt der Herr ein Zeichen: die Diener sehens kaum,

So holen sie den Bleichen aus düsterm Kerkerraum.

Er tritt zum wüsten Kreise, ein wunderbares Bild,

In einfach edler Weise, in Schönheit jung und mild.

Umstarrt von Kettenringen, beraubt der Augen Schein,

Will ihn der Burgherr zwingen zum Schuß; doch spricht er nein.

Und jener droht mit Zwange, mit Folter und mit Tod:

Und auf des Blinden Wange erglüht ein leises Roth:

Gott laß es mich erreichen, wohlan, ich wag es schon?

Gebt für den Pfeil das Zeichen, wohin ihrs steckt, den Ton.

Und sieh zum Boden klinget ein Becher: Schieß jetzund!

Der Burgherr sprichts, da dringet ein Pfeil ihm in den Mund,Durchbohrt das Hirn inmitten, ein Blutstrom quillt hervor,

Sein Leben ist zerschnitten, er sinkt dahin, der Thor.

Der Kreiß der Ritter zittert und angstvoll starrt ihr Blick,

Denn jeden hat erschüttert das plötzliche Geschick.

Nur Röcheln klinget wieder, der Blinde horchet zu,

Er senkt die Armbrust nieder; nun hat der Wüthrich Ruh.

Wolfgang Müller.