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Rheinsagen aus dem Munde des Volks und deutscher Dichter : für Schule, Haus und Wanderschaft
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L u r l e i.

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Ihr Singen regt beglückten ErdensöhnenDie höchste Lust und alle süße Pein;

Wer sie vernimmt, muß ihr ergeben sein

Und kann sein Herz des Wohllauts nicht entwöhnen:

Gefeßelt huldigt er der Macht des Schönen

Und lebt und stirbt im Dienst der Lorelei.

Noch hat sie nie sich einem Mann ergeben,

Ob sie auch Vielen gnädiger geblickt:

Ein Ritter einst, von Sangeslust bestrickt,

Sann mit Gewalt zu sahn ihr holdes Leben:

Das Hifthorn tönt, die frechen Knechte streben.

Schon berghinan zur Jagd der Lorelei.

Sie klimmt empor die höchsten Felsenstellen,

Der Frevler folgt, schon faßt er ihr Gewand:

Da schwingt sie sich hinab vom Bergesrand,

Und unten hört man sein Gebein zerschellen.

Sie aber singt lustwandelnd auf den Wellen:

„Mich zwingst du nicht, denn meine Gunst ist frei.

„Den nach der Hand der Lorelei gelüstet,

Umschwebe Wohllaut schon im Mutterschooß;

Früh ringt das Lied sich seinem Busen losFrei von der Lüge, die sich Wahrheit brüstet:

Er naht dereinst mit Sängerkraft gerüstetUnd Bräutigam begrüßt ihn Lorelei."

Und als er kam auf stolzem Schiff gezogenDen Strom hinab vom goldbeglänzten Main,

Da wandelt sie zum bräutlichen VereinDem Freund entgegen auf des Rheines Wogen;

Da kommt'ein Wind von Osten Hergestogen,

Entführt das Schiff und trauernd steht die Fei.

„Er war mein Werth und könnt' er mich verschmähen?So welke, Kranz, der höchsten Ehren Lohn.

Nein, grüne fort, denn einem treuern SohnHat dich zum Schmuck der Himmel ausersehn: