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Rheinsagen aus dem Munde des Volks und deutscher Dichter : für Schule, Haus und Wanderschaft
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L u r l e i.

85. Von der Lorelei.

„Es ist schon spät, es wird schon kalt,

Was reitst du einsam durch den Wald?

Der Wald ist lang, du bist allein,

Du schöne Braut, ich führ dich heim." —

„„Groß ist der Männer Trug und List,

Vor Schmerz mein Herz gebrochen ist,

Wohl irrt das Waldhorn her und hin,

O flieh! du weist nicht wer ich Lin.""

„So reich geschmückt ist Ross und Weib,

So wunderschön der junge Leib,

Jetzt kenn ich dich — Gott steh mir bei!

Du bist die Hexe Lorelei!" —

„„Du kennst mich wohl — vom hohen SteinSchaut still mein Schloß tief in den Rhein.

Es ist-'schon spät, es wird schon kalt,

Kommst nimmermehr aus diesem Wald!""

v. Eichendorff.

86. Ballade von der Lorelei.

Wer singet dort so holde Melodei?

Das Schifflein säumt und gleitet sacht vorbei. —Mein Nachbar sprach: Es ist die Lorelei.

Da Droben thront sie auf des Felsen Spitze,Strält in den Rhein ihr goldnes Lockenhaar,

Und Gcisterchöre tönen wunderbarIm Rebenlaub an ihrem Hcrrschersitze;

Doch wie der Stral durch trüber Wolken Ritze,So dringt hindurch der Wunderton der Fei.