B o r n h o f e n.
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80. Die Drüder.
Seht die gewaltgen Trümmer nur an, wie mit Stolz auf die armen^ Hütten sie sehn, die der Winzer zum Hohn, wie ein Nest an der Mauern> Rauchige Seiten geklebt, mit Gestrüpp und des dorrenden EpheusReger Verwildrung durchwebt. „Ja traurig ist wahrlich der Anblick,"Sagte der Schiffer, „doch dort geschahen auch traurige Thaten.Droben die Burgen besaß vor Zeiten ein männlicher Ritter,
Stolz und gefürchtet am Rhein und so reich, daß ihm Keiner-zu schätzenSo unzählbares Gut sich getraute. Doch kam auch sein Stündlein,Und was mit Unrecht und Recht er alles erworben, das thcilten,Längst schon begierig des Erbes, die beiden Söhne. Nicht BrüderSchienen sic da; auch die Schwester, die blind von den frühesten JabrenLebte beim Vater, doch fromm und in sich gekehrt, die betrogenJene mit böslicher List: denn als sie in Scheffeln des GoldesHaufen nun maßen, da wandten sie jedesmal, wenn cs die SchwesterTraf, das gehöhlete Maß, und ließen das oben belegteVon der Erblindeten tasten. So lachten sic heimlich des Truges.Doch mit dem Wenigen war der Segen des Himmels, denn Ihm wardAlles geweiht; drei Orte der Andacht stiftete jene,i Heilig in kommender Zeit noch geehrt: Bornhofcn und KidrichUnd wo einst „Noth GottesI" im Baum die Stimme gerufen.Glaubet nur nicht, daß immer auch Viel euch zum Nutzen gedeihe:Gier nach Mehreren: bringt nur Streit :md Hader; die BrüderWurden zuerst um Aecker und Gut, um Waldung und Weinberg, Uneins, aber zuletzt (o wie thöricht) sogar um ein Weiblein.
Und sie befeindeten sich, zerstörten einander die Burgen,
Tödteten endlich sich selbst mit mördrischcn Händen; die GüterNahmen die Nachbarn und also erfüllt sich hier auch das Sprichwort:„Unrecht Gut kommt schwer an den dritten Erben." So sagteNiklas der Schiffer, und Alle betrachteten lang die Ruinen,
Welche so traurig und öd fluchwürdige Thaten verkünden.
G C. Braun.