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Frauenkirche bei Lach.
„Weiß ist dieses Wild gewesen, weis; wie stäts die Unschuld ist,Doch ich hatt es mir erlesen, lies; zur Flucht ihm keine Frist.
Als mein Pfeil es wund geschlagen, daß der rothc Schweis; entrann,Gleich als wollt es mich verklagen, blickt' es klug und fromm mich an."
Golo sprach, der Hochvcrräther: „Möglich, daß der Traum nicht äfft,Wenn ihr früher oder später eine weiße Hinde trefft.
Nicht so selten sind die weißen, fleckenlose giebts genug;
Doch was will ihr Blicken heißen? Alle blicken fromm und klug."
2 .
„Auf, die Bracken macht gcnoßcn, überkröpft die Falken nicht,
Weckt die fürstlichen Geuoßen, heut erfüllt sich mein Gesicht.
Seht, der Erde braune Rinde fußhoch hat der Schnee bedeckt:
Nicht entgeht mir jetzt die Hinde, die so schnell die Läufe streckt." —
„Heute könnt ihr sie nicht schauen, die dem Schnee an Weiße gleicht:Wollt ihr meinem Rathe trauen, harrt ihr lieber bis er weicht."Aber schon auf wildem Hengste stürmt der Pfalzgraf über Feld;Den Berräthcr faßen Aengste als es rings von Hörnern gellt.
Mancher Falke stieg und schwcimte, müde lief sich manches Ross,Golo selbst, der Abgefeimte, viel des cdeln Wildes schoß.
Hunde hetzt das Jagdgcsinde, weil das krumme Hifthorn schallt,Einer fleckenlose Hinde folgt der Graf durch Busch und Wald.
Flüchtig ist sie, mit den langen Läufen wirft sie Schnee empor,
Ross und Reiter sic zu fangen setzen über Stein und Moor;
Doch sie läßt sich nicht erreichen: endlich schießt sein Pfeil sie wund,Aber noch mit blutgen Weichen birgt sie sich im Waldesgrund.
Siegfried folgt, die Lust zu büßen, sieh, da liegt das zahme WildEiner schönen Frau zu Füßen, die der Wunde Fluß ihm stillt.
Und die Frau umspielt ein Knabe, wie die Mutter schön und bleich:Lang entbehrten jeder Labe Genovefa, Schmerzenreich.