Druckschrift 
Rheinsagen aus dem Munde des Volks und deutscher Dichter : für Schule, Haus und Wanderschaft
Entstehung
Seite
178
Einzelbild herunterladen
 

178

Nürburg.

„Und sind sie nicht gestorben in ehrenvollem Streit,

Sie haben doch erworben der Freiheit Herrlichkeit.

Frei will auch ich denn sterben wie ich im Leben war,

Denn Knechtschaft ist Verderben und schändet immerdar."

So hat der Greis gerufen und blickt zum Himmel auf,

Treibt auf den Felsenstufen das Ross zu wildem Lauf,

Stürzt von der Höhe rasselnd, rollt über das GesteinBis in die Flut, die prasselnd schlingt Ross und Reiter ein.

Wie das die Feinde schauen erfaßt sie Schreck und Graus,

Sie fliehn des Todten Gauen und ziehen stumm nach Haus;

Das Schloß sank auf den Höhen schon längst ein Raub der Zeit,Nur noch zwei Thürme stehen zum jähen Sturz bereit.

Doch lebt die alte Kunde noch stäts im Volke fort,

Sie geht von Mund zu Munde, sie geht von Ort zu Ort,

Und lehrt das Volk, daß Sterben wie Männer frank und frei,Viel beßer als Verderben in schlimmer Knechtschaft sei.

WolfgangMüller.

67. Der Schild von Nürlmrg.

Graf Ulrich lag am Tod auf hohem Schloß;

An seinem Schmerzenslager stand kein Sproß,Der Untersaß und Lehnsmann nah und fernBeweinten ihn, den vielgeliebten Herrn.

Ein Reicher stirbt, nah wird der Erbe sein!

Sein Bruder Konrad tritt zur Thür herein:

Der trug in Köln die geistliche Gewalt;

Er grüßt den Sterbenden so herrisch kalt.

Von Buße redet er, von ewger Qual —

Doch Ulring spricht: Mein ist der Himmelssaal;Ich brauche nicht von dir der Seelen Trost!

Da fährt der Priester auf und spricht erbost: