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Rheinsagen aus dem Munde des Volks und deutscher Dichter : für Schule, Haus und Wanderschaft
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Köln.

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15. Die heilige Ursula.

Vionetus in EngellandWar König mächtig sehr,

Sein Tochter, Ursula genannt,

Der Jungfrauschaft ein Ehr.

Weil sie mit Christi Blut erkauftUnd nach des Höchsten Will getauft,

Hat sie sich ihm vermählt alleinIn Keuschheit stäts zu dienen rein.

Sieh da, eins heidnischen Königs Sohn,Nach Ursula stand sein Sinn,

Fragt, ob sie wollte seinen ThronAls seine Königin?

Verhieß ihr Land und wilde See,

Sehr große Schätze zu der Eh;

Sonst wollt er streiten mit GefahrUm ihre schöne Jugend klar.

Als Vionetus dieß erhört,

Bekümmert er sich hart,

Sein Reich wollt halten ungestörtVon Heiden böser Art,

Dazu sein Tochter fromm und schönWollt er dem Mann nicht zugcstehn;Jedoch des Fürsten Drohwort großDem Herzen sein gab harten Stoß.

Ursula in ihr Zimmer trat,

Ausgoß vor Gott ihr Herz,

Sich in des Höchsten Willen gabOhn Trauern und ohn Schmerz;

In einen Schlaf sic fiel zur Hand,Alsbald ihr Gott ein Engel sandt:Derselbig bracht ihr gute Mär,

Was Gott der Herr von ihr begehr.