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Rheinsagen aus dem Munde des Volks und deutscher Dichter : für Schule, Haus und Wanderschaft
Entstehung
Seite
8
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Gertruidcnberg.

IR

4. St. Gertruden Minne.

Es war ein Ritter in Riederland,

Der trug einer Jungfrau große Minne,

Die Reine war St. Gertrud genannt,

Die benahm ihm Herz und alle Sinne.

Die Jungfrau liebte keinen Mann,

Sie hatte sich in ein Kloster begeben,

Gott und dem guten St. Johann,

-Dem wollte sie dienen all ihr Leben.

Der Ritter, der sonst täglich kam,

Jetzt dürft er sie nicht sehn noch sprechen:Das schuf ihm Kummer und bittern Gram,Er dachte, sein Herz sollt' ihm zerbrechen.

Hatt er schon viel mit mildem MuthGespendet, der Schönen Gunst zu erringen,Nun gab er gar sein Hab und GutZu ihrer Ehre Messen zu singen.

Sein Land, sein Volk, sein ritterlich SchloßGab er dahin an ihren Orden,

Und als das dritte Jahr verfloßWar er ein armer Mann geworden.

„Nun Ade, Süßlieb, und bleibt gesund,Ade, muß euch auf ewig meiden,

Mir ist nicht Weg noch Straße kund,

Muß einsam schweifen auf wilder Haiden."

In einer finstern Mitternacht,

Da er auf wilder Haide gehet,

Sein hat der böse Feind wohl Acht,

In Mannsgestalt er vor ihm stehet.