Wenig und viel.
Parabel.
Ein Sohn nahm von seinen Eltern Abschied, und bat seinenVater, er sollte ihm viel mit auf die Reise geben; die Stief-mutter aber war sehr geizig und bat den Vater, er möge ihmwenig mitgeben. Der Vater liebte seinen Sohn und seine Frauund wollte gern Beiden ihre Bitte gewähren. Er sprach daherzu seinem Sohne: „Lieber Sohn, weil du nun in die Fremdeziehst, und ich nicht weiß, ob ich dich jemals wieder sehen werde,so will ich dir wenig und viel zu einem Zehrpfennige mitgeben.Glaube wenig, höre viel; rede wenig, sieh viel; lehre wenig,lerne viel; schreib wenig, lies viel; vertrau auf wenig, versucheviel; streite wenig, erdulde viel; fürchte wenig, vermeide viel;laß dich wenig reizen, erfahre viel; hoffe wenig, erringe viel;hasse wenig, bedecke viel mit christlicher Liebe; schließe wenig,bedenke viel; belache wenig, verschweige viel; laß dich wenigbetrüben, tröste viel; befehle wenig, arbeite viel; sündige wenig,am besten gar nicht, bete viel, am besten immer." Diesen Lehrenkam der Jüngling treulich nach, und wenn er gleich wenig guteTage hatte, so kam er doch mit viel Nutzen nach Haus, so daßdie Seinigen wenig Verdruß und viel Freude an ihm erlebten.