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4 (1862) Der kleinen Schriften erster Theil
Entstehung
Seite
471
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Deutschland.

Parabel aus dem siebzehnten Jahrhundert.

Die Federn aus den Flügeln der Gerechtigkeit, welche dasZünglein in ihrer Wage sind, und das Schwerdt, welches sieführt, hatten lange Zeit gestritten, welchem die linke oder dierechte Hand gebühre. Die Feder sagte:Mir gehört die Ehren-stelle, denn ich thue den Ausspruch des Rechtes, belohne dasGute und bestrafe das Böse durch das Schwerdt. Das Schwerdtaber berief sich auf den allgemeinen Schutz, welchen es der Federund allen Regierungen geleistet.

Als nun die Gerechtigkeit über diesem Streit eingeschlafenwar, forderte der Degen die Feder vor die Klinge, um sein Rechtritterlich auszufechten. Die Feder berief sich auf das geschriebeneRecht, auf die Gesetze und Ordnung und suchte Schutz bei denFriedenskünsten. Der Degen aber nahm sieben ärgere Gesellenzu sich als er selbst war, und wollte das Geschwätz und Geschmiernicht mehr aufkommen lassen.

Deutschland, in dessen Grenzen das Unheil sich gesponnenhatte, hörte eS, und ordnete die Billigkeit ab, die streitendenPartheien zu vergleichen, damit diese sich nicht untereinanderselbst auffressen möchten. Die Billigkeit nun hat Keinem vonBeiden etwas von seiner Ehre ab- oder zulegen wollen, sondernstieß die Gerechtigkeit an, daß sie erwachte, und befahl ihr, denDegen und die Feder Wechselsweise, nach dem BedürfnisseDeutschlands, zu gebrauchen.