Das Leichenbegängnis.
Parabel aus dem siebzehnten Jahrhundert.
Es hat sich jüngst folgendes Gespenst sehen lassen: SeinHaupt war mit weißen und schwarzen Binden umwunden, seineHände (die Fackeln) brannten, seine Füße waren Pferdefüße (dieden Sarg führten), sein Leib war zierlich eingewickelt, beblümt,trug einen gemalten Obermantel (die Wappen der Ahnen undKränze an der Sargdecke), und seine Waffen waren umgekehrt.Die Teufelsbanner bemühten sich, dieses Gespenst zu besprechen,und endlich sagte es seinen Namen: daß es eine Leiche sei, undNiemand so sehr geplagt habe, als den Verstorbenen. Der Tod,der dazu kam, schwor bei seiner Sense, er könne diese Leiche'nicht für seine Schwester anerkennen, denn sie sei die lebendigeund nicht die verstorbene Eitelkeit. Das Gespenst aber rief dieGeistlichen, die Gäste, den Küster, den Todtcngräber und denPrediger, welcher die Leichenpredigt gehalten, zu Zeugen auf,und wollte dadurch seinen Charakter und Namen bekräftigen.
Hierauf ward ferner gefragt: Ob dergleichen Gespenster jebei dem Tode der heiligen Apostel, Märtyrer und andererGottesfreunde erschienen? Auf diese Frage ist das Gespenstverstummt, ohne zu verschwinden, und einer der umstehendenChristen sprach: „Höre, wenn du bei der Auferstehung mitdeinen Verstorbenen so wirst aufgezogen kommen, wird dich dasewige Leben eben so wenig anerkennen, als dich der Tod hieranerkannt hat!"