Die Gasterei.
Parabel aus dem siebzehnten Jahrhundert.
Die Eitelkeit hielt an ihrem Geburtstage eine Gasterei, undlud dazu den Herrn von Stolz und seine Tochter FräuleinHoffart, den Herrn von Witz und seine Tochter Fräulein Tadel,den Herrn von Gold und das Fräulein Geiz ein. Die Welt-tafel ward von dem Tafeldecker Schwindel gedeckt. Die Unwissen-heit war Trnchseß und trug etliche gemeine Gewohnheitsesscnauf, als: Fleischesgelüsten, Unrechtsbraten, Ochsenknechtschaft,Schweinsfüllerei, Kalbsnnverstand, Ziegenüppigkeit, und das Bestewar noch Lammsgeduld, wurde aber gar nicht wohlschmeckendgefunden. An Geflügel kam Pfauenprahlerei, Gänsegeschwätz,Kapaunenfnrcht und Entenschmutz auf die Tafel. Das Fischwerkbestand aus Zwcifelskrebsen, Unordnungsschmerlingen, Vergessen-heitsschildkröten und Aalsschlüpfrigkeit, unter welchen Gerichtenviele in Unbeständigkeitsöl, in Wahnbutter und Bosheitsessiggekocht waren. Dazu trank man welsche geschmierte Weine desAberglaubens und abgekochtes Wasser der Aufklärung, Malvasierdes Betrugs und Rheinwein der Ruhmredigkeit. Zuletzt erschienender Käse der Halsstarrigkeit, Glücks- und Unglücksäpfel, leereHoffnungsnüsse und das Zuckerwerk der Heuchelei. Die Nieder-trächtigkeit leckte die Teller rein und hat seitdem ein glattesglänzendes Maul. Die einfältige Armuth aber hätte verhungernmüssen an den übrigen Brocken, wenn sie das Brod des Lebensnicht gehabt hätte, um die Brühe der übrig gebliebenen Lamms-geduld auszutunken.