Die Legende von einem Schwaben, der das Leberlein
gefressen.
Ein alter deutscher Bürgerspaß.
Als unser lieber Herr Gott noch auf Erden gewandelt istvon einer Stadt zur andern, das Evangelium gepredigt und vielZeichen gethan hat, ist auf eine Zeit ein guter, einfältigerSchwabe zu ihm gekommen, und hat ihn gefragt: „Mein lieberGesell, wo willst du hin?" Da hat unser Herr Gott ihm geant-wortet: „„Ich ziehe um und mache die Leute selig."" Da sagteder Schwab: „Mein lieber Gesell, willst du mich mit dirlassen?" „„Ja,"" sagte unser Herr Gott, „„gern, wenn dufromm sein und leidlich beten willst."" „Ja," sagte der Schwab.
Als sie nun mit einander gingen, kamen sie zwischen zweiDörfer, darin man läutete. Der Schwab schwatzte gern undfragte unsern Herr Gott: „Mein lieber Gesell, was läutet manda?" Unser Herr Gott, dem alle Dinge wissend waren, sagte:„„In dem einen Dorfe läutet man zur Hochzeit, in dem andernzu einem Todten."" „Geh du zu dem Todten," sprach derSchwab, „so will ich zu der Hochzeit gehen."
Unser Herr Gott ging in das Dorf und machte den Todtenwieder lebendig: Da schenkte man ihm hundert Gulden. DerSchwab that sich auf der Hochzeit um mit Einschenken undBedienen. Und da die Hochzeit ein Ende hatte, schenkte manihm einen Kreuzer, daß der Schwab wohlzufrieden war, sich aufden Weg machte und wieder zu unserm Herr Gott kam. Als baldder Schwab unsern Herr Gott von weitem sah, hob er sein