Daß ein Umfang, eine Ueberschwenglichkeit, eine Spiegelspiege-lung poetischer Trunkenheit in Ton und Farbe bei unendlichsüßer unschuldiger Einfalt, und einer tiefen dunklen Bitterkeit derSchuld, der Leidenschaft, der Sünde im Calderon zauberischherrscht, haben Sie nothwendig bei Ihrer großen Empfänglich-keit gefühlt, und das ist schon so viel Werth, als wenn ein jungerNeugrieche den Hpperion Hölderlin's mit tiefer Rührung liest,oder wenn der Anmut dem lieben schüchternen Distelfinke denAuftrag gibt, ihm das hohe Lied Salomonis auf einer Flötcnuhrzu setzen, welche er der lieben Psyche schenken will, wann sie dieTochter Jephtha's zum ersten Mal spielen wird.
O, lieber Directcr! wann Sie sich nur erst einmal rechtärgern, daß es aus der Bühne einst ganz anders war, wenn Sienur einmal erst recht darüber ergrimmen, daß die RiesenwerkeShakspcar's, welche Ihnen für Ihre übergroße und reiche undumständliche Schaubühnerei, noch immer zu reich und umfassendscheinen, daß diese Werke zu völliger Täuschung auf kleinenarmen Bühnen mit zwei Coulissen Tiefe und einer sehr kleinenAnzahl von Statisten vorgestellt wurden, und daß Jünglinge dieOphelia, die Dcsdemona, die Julie spielten, für welche Sie heut-zutage kaum Schauspielerinnen finden zu können hinreichend imStande sind, die an Zartheit und Empfindung hin reichen. WennSie das erst einmal fühlten und auf die Frage kämen, warumgetrauen wir uns mit unserm entsetzlichen Apparate von Dar-stellungsmitteln nicht an solche Werke, ohne sie erst auf dieunsinnigste Weise zu verstümmeln, da sie ursprünglich mit denwenigsten Mitteln ausgeführt worden sind, ja, da ihnen sogarein ganzes Geschlecht fehlte, würde Ihnen dann nicht die Antwortsehr nahe liegen, indem wir uns ganz und gar in das durchausUeberflüssige, ja häufig Schädliche verloren haben, ist uns daseinzige, womit man darstellt, ganz aus den Augen gekommen, derbegeisterte talentvolle Schauspieler. Ihr habt die Umstände, die