Ä4<»
wenig Ehre auf den Brettern zu holen ist, als seit langer Zeit.Aber ich predige tauben Ohren und vergesse, was ich oben vondem Bandwurme sagte, der Sie sind, lieber Dircctor, aber dochimmer einer der erträglichsten. Warum ich doch mich mit Euchverdammtem Gesinde! herumtreibe? fragen Sie — nein fragenSie nicht — sehen Sie, gerade deßwegen, weil Sie nicht darumfragen.
Uebrigens hat in flacher Gegenwart, alles Zerstörte einentiefen Reiz, der Mineralog bewundert den Stein am Bruch, unddas ist das Beste an euch, daß ihr keinen eigentlichen Schliffhabt, das heißt, nicht einmal Schule. Abenteurer-, Zigeuner,Räuberbanden, Amsterdamer und Präger Judenstraßen, Hunde-comödien, Schauspieler, Wahnsinnige, Mißgeburten und dergleichensind dem Dichter eben so interessant, als es einem grausamenArzte' je sein konnte in die Eingeweide einer lebendig aufge-schnittenen Katze zu schauen. Pfui Teufel! o wär' es doch nichtwahr? Aber ob dieses Gelüsten zu euch nicht selbst schon einRapport ist von des Satans Magnetismus, das quält mich oftnicht wenig, und drum wehre ich mich wenigstens mit Worten.Nun auf den Calderon. Serenissimus würde Sie ins Tollhaussetzen? und mit Recht, meinen Sie, wenn Sie dergleichen auf-führten. Ich sage dasselbe, und wäre ich Serenissimus, ich thätees schon, ohne daß Sie den Calderon aufführten. Sie müßtenmir wegen des ersten besten Stückes mit theueren Decorationenund prächtigen Kleidern, und schlechten Schauspielern hinein.Auch Sie können also nie heraus, lieber Herr Director.
Warum ich Ihnen den Calderon geschickt, will ich Ihnensagen. Ich wollte, daß Ihnen etwas zugemuthet werde; denndas geschieht das ganze Jahr nicht. Sie gehen mit Ihrer Kunstim ewigen Einerlei unter. Sie haben bei dieser Gelegenheitden Calderon doch gelesen, Sie haben doch gefühlt, daß dieBühne einst etwas konnte, wovon sie keinen Begriff mehr hat.