gelegt hatte, das reizendste Fleisch und die anzüglichsten Brat-würste ans dem Hause des Metzgers ohne je einen Bissen davonzu genießen. Dieses wäre viel von dem gebildetsten Hundunserer Zeit, wie viel war es nicht von einem gesunden Hünd-lein jener Zeit, da alle thierische und menschliche Natur kräftigerund sinnlicher, und noch nie ein Hund nervenschwach gewesenwar. — So war dieses herrliche Hündlein. Aber Undank ist derWelt Lohn. Denn einstens da dieses Hündlein von seinem Herrn,der ein Protestant war, in jener Zeit, da die ncugetrennten Par-theien noch im Streite lagen, die jetzt im Schatten der Friedens-palme ihr Mahl theilen und nur Einem Vater dafür danken, aneinem Freitag mit seinem Korbe zu dem Metzger geschickt wurde,welcher die Fasten noch strenge zu halten Pflegte, und dieser aufdem Zettel eine Bratwurst bestellt fand, ergriff der Metzgerzornig das zitternde unschuldige Hündlein und hieb ihm denSchwanz ab, legte ihm denselben in den Korb, sagte: Da hastdu Fleisch! und jagte es von dannen. Winselnd aber nahm dasherrliche Thier den Korb ins Maul und trug beschimpft undverwundet den Zeugen seines Unglückes ruhig zu seinem Herrn.Die ganze Stadt betrauerte, alle Reisenden beklagten das armeThier, und da es bald darauf starb und nicht mehr zu des Metz-gers Haus kam, der sonst ein guter Mann war und das Hünd-lein liebte, ward dieser sehr gerührt, bat den Besitzer des Hünd-leins herzlich um Verzeihung und ließ auf eigene Kosten dasBild des Hündleins ohne Schwanz über das Stadtthor in Steinhauen, ein Bild übelbelohnter Treue.
So erzählte ich meiner Nachbarin und bemerkte, daß sietief gerührt war. Wir hatten den Vertrag gemacht: wenn einerden andern durch eine solche Geschichte rühren könne, unsere Anti-