381
das Büchlein zu bauen, brauchte man die Bäume nicht, aneinem alten Baumstumpfe wollte man nicht mehr das Mahl ver-zehren, und man verarbeitete die Bäume nach und nach inTische, Schränke, Bettladen, Wiegen und Büchergestelle, um dievielen Arbeiten über das Büchlein darauf zu stellen. Das wardenn Alles glatt und gebeizt und Polirt, und das häusliche Glückund Unglück spiegelte sich darin, und schnitt Gesichter, wenn deralte Garten draus vor dem Fenster darin sichtbar war.
Je feiner aber die Politur der Kunst und Wissenschaft wardauf diesen todten Mobilicn, je Heller spiegelten sich die wehendenBlüthenwipfel und goldenen Früchte darin und erregten mancheSehnsucht auS der literarischen Stubenwüste der Freiheit inden lebendigen Gottesgarten der Kindschaft des Vaters. DasFatalste aber war, wenn draus der Saft in die Bäume trieb,da regte eS sich auch im verwandten Holze der Mobilien; siekrachten und warfen sich, und man fuhr erschreckt auf und schrie:Umtriebe! Umtriebe aus dem alten Garten, und rückte dieKasten hin und her, um sie zu entdecken. Indem Einige denHarztropsen, der aus dem todten Holze gequollen, in Weingeistan der Sonne auflösten und die Geräthe damit polirten, aner-kennend ein Geheimniß der Sehnsucht, Eins zu sein in allemDasein, klagten die Anderen sie des Mhstizismus, Supernatura-lismus und der Hinneigung zum alten Garten an, indem mandort mit solchem ganz natürlichen Baumharz allerlei abergläu-bische Räucherei aus dem alten Heidenthum, angeblich um diebösen Insekten zu vertreiben, vornehme, eigentlich aber nichtsthue, als die durchdringende Sonne der Aufklärung verfinstere,und dem armen Volke für den blauen Himmel einen blauenDunst vormache und ihm mit Wohlgerüchen den Kopf berausche.
Andere aber spannen das Krummgewordene in Schraubenund Hobeln das Gequollene ab, wenn der Kasten nicht schließenwill, und spänen oder kitten die Risse aus. Wenn aber die