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4 (1862) Der kleinen Schriften erster Theil
Entstehung
Seite
359
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Das Tagebuch.

Nachdem ich die Verse in das Geschenk meines Freundesgeschrieben, öffnete ich das Fenster und blickte hinab in diebewegte Straße. Wagen, Reiter und Fußgänger zogen an mirin geschäftiger Eile und im bunten Wechsel vorüber. Alle, dieich sah, gingen dieselbe Straße neben einander, und doch schienjeder seinen eigenen, einsamen Pfad zu gehen. Keiner kannte,Keiner grüßte den Andern, Jeder folgte seinem eigenen Interesse.Die Aufmerksamkeit, die sie einander schenkten, beschränkte sichvorzüglich darauf, einander auszuweichen, und in dem Gedränge,wenn sich die Straße sperrte, sich vor Taschendieben, vor denHufen der Pferde und den Rädern der Wagen vorzusehen.Dazwischen kreischten die heiseren Stimmen der Colporteursaller Art, der Savoharden und der Ausrufer der Journale undStraßeuliteratoren wirr durcheinander. Jeder pries seine Waarenan, suchte den Andern zu überschreien und die Aufmerksamkeitdes vorübereilcnden Publikums auf sich zu ziehen.

Mir erschien dies Treiben wie ein großes Bild des Egois-mus, und es ward mir dadurch klar, wie der Geist eines Haupt-städters, der stets in diesem ruhelosen Meere gleich einer dertausend Wellen hin - und Hergetrieben wird, so leicht den Charaktereines kalten in jedem Augenblicke sein Interesse, verfolgendenEgoismus annehmen wird. Denn wie sie hier auf den Straßen,Einer unbekümmert um den Andern, an einander vorüber rennen,wie sie sich drängen und stoßen, Einer dem Andern zuvorzu-kommen sucht, und im Geschrei einander überbieten, so rennensie, dachte ich, in den Büreaux der Administration nach Aemtern,so suchen sie in den Ministerien einander zu stürzen, so über-schreien sie sich in den Kammern, so überbieten sie sich auf der