337
- n
durch eine kleine Zahl helfender und betender Hände gegen dieRäder aller Höllenmaschinen geschützt, die es fortwährend, selbstvon ihnen getrieben, in wildem Rausch umtreibt. Ich fühlte diesiegende Gegenarbeit des guten, auf Glauben, Hoffen und Liebengegründeten Willens gegen alle unermüdet getriebenen Minendes bösen Willens, der wie die hohnlachende Verzweiflungarbeitete; und so kehrte ich, beruhigt in Frieden und Mitleid,durch den babylonischen Triumph, der alle Straßen füllte, nachmeiner Wohnung zurück.
Hier nahm ich meinen Wegweiser durch Paris zurHand, den mir ein Freund in Deutschland auf die Reisegeschenkt hatte. Auch er hatte meine Abscheu und meine Furchtvor Paris getheilt, und so entdeckte ich zuerst folgende Mentors-Verse, welche er mir warnend hineingeschrieben hatte:
„Nimm hin den Faden durch das Labyrinth,
Das schrecklicher als jenes alte ist,
In dessen ausweglosem PfadgewindEin scheußlich Ungchen'r den Wandrer frißt,
Denn hier, mein Freund! schreckt dich kein greulich Thier,
Hier trägt der Drache menschliche Gestalt;
Hier ist die Schlange Weib, der Teufel Cavalicr;
Hier thut dir Glanz und Tanz und Färb' und Duft Gewalt,Hier ist die Sitte Kuppler, Freundschaft Scelvcrkäufcr;
Die Treu' Falschmünzer und die Unschuld Werber;
Der Busenfreund Spion, die Ehre Neberlänfer;
Die Lilie trägt am Hut hier der Verderber,
Mit Rosen deckt sich hier schamlose Schande,
Von Veilchen duftet hier die feile Pest,
Der sichre Weg streift hier am Höllenrande,
Und über'm Abgrund schwebet hier der Tugend Nest.
Du wagst dich hin! Gott stärke dich zum HeldenUnd mach' für Sund' dich taub und blind und lahm;
Auf daß dies Blatt er möge Lügen schelten,
Wenn besser er hinwcgzieht als er kam."