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solches Vertrauen, als hätte ich nie eine Sünde begangen." IhrBlick war sehnsüchtig auf das Kreuz zu Füßen ihres Lagersgerichtet, ihr Athem flog heftig, sie trank oft, und so ihr daskleine Kreuz zum Kusse gereicht wurde, küßte sie immer demüthignur die Füße des Gekreuzigten. Ein Freund, der weinend zuFüßen ihres Lagers kniete, hatte den Trost, ihr öfters Wasserzur Labung zu reichen; da legte sie plötzlich ihre rechte Hand aufdie Bettdecke, die vernarbte Stelle des'Wundmales schimmerteweißlich, er ergriff ihre Hand, sie war kalt, und da er sich innignach einem Zeichen des Abschiedes sehnte, drückte sie seine Handleise. Ihr Anblick war rein, ruhig und friedlich, aber von einemerhabenen Ernste, und hatte den Ausdruck eines mit höchsterAnstrengung zum heiligen Ziele Rennenden, der den Kranz ergrei-fend niedersinkt und stirbt.
Jetzt betete der Priester noch die Sterbegebete bei ihr, undsie fühlte sich noch ermähnt, einer frommen jungen Freundin vorGott in Liebe zu gedenken, deren Namensfest heute war. Esschlug acht Uhr, sie athmete einige Minuten heftiger und riefdann etwa dreimal mit lauterem Stöhnen: „O Herr, hilf! OHerr, o Herr, komm!" der Priester klingelte und sprach: „Siestirbt!" Mehrere Verwandte und vertraute Personen traten ausder Borstube in die Kammer und knieten betend nieder, sie hattedie brennende Sterbkerze in der Hand, die der Priester unter-stützte ; sie seufzte einigemal leiser, und nun eilte die reine bräut-lich geschmückte Seele von den keuschen Kinderlippen ihres gekreu-zigten Leibes ihrem himmlischen Bräutigam entgegen, voll derHoffnung, statt des Liedes der Weissagung, das einst aus ihremMunde die sterbende Nachtigall wieder belebte, das neue Lied imChöre der Jungfrauen zu empfangen, welche dem Lamme folgen,wohin immer es gehe. — Leise sank ihr entseelter Leib nachder Seite auf die Kissen nieder, um halb neun Uhr Abends den9. Februar 1824.