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sie dir nun genommen seien, so gib der sterbenden Nachtigalldas Leben deiner Mundes zurück." Dann hielt er mir den
Vogel an die Lippen und ich flößte ihm etwas aus meinemMund in den Schnabel; da ward die Nachtigall gesund undlebendig, und sang von ganzem Herzen wunderschön, und derFührer ging mit ihr von dannen. Mir aber verschwand Alles,war Alles todt und stumm, ich sah nichts mehr."
Der Schreiber mußte sich damit trösten, daß die Nachtigalldas Verlorne nun sang, welche mehr Ruhe und Frieden undeinen schönern Vertrag als sie hatte, und von welcher sie inihrer Jugend Wohl Vieles gelernt.
Wie rührend erscheint in diesem Sinnbilde die Nachtigallals die Vcrkündung, als die Stimme des höhern Natnrliedes,welches entsiegelt auf den Lippen der Begnadigten lag,, währenddie Nachtigall seiner beraubt, starb. Sie aber mußte es in dieKehle des Vogels zurückgeben, wo es nun wieder in begriffslosenTönen als Geheimniß versiegelt ist, um in dem Menschen eineallgemeine Rührung und Sehnsucht nach der Lösung aller Räthselzu erwecken u. s. w.
Der Last ihrer Lebensaufgabe erliegend, flehte sie oftdringend zu Gott, aufgelöst zu werden, und eben so oft sahman sie hoffnungslos am Rande des Grabes. Jedesmal abersprach sie: „Herr! nicht wie ich will, sondern wie du willst;kaun ich etwas mit Leiden und Beten erringen, so lasse michtausend Jahre leben, aber lasse mich sterben, ehe ich dich wiederbeleidigen sollte!" Und so sie die Weisung des Fortlebens erhielt,raffte sie sich abermals mit ihrem Kreuz auf, und trug es demHerrn mühselig weiter nach. Von Zeit zu Zeit wurde ihr ihrLebensweg den Berg hinauf nach einer schönen leuchtenden Stadt,dem himmlischen Jerusalem, gezeigt; oft jubelte sie dem Ortedes Friedens, der nahe vor ihr lag, schon entgegen, aber plötzlichsah sie sich durch ein Thal noch von ihm getrennt, und sie mußte
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