283
Blumen stehen, und daneben neue seidene Strümpfe, PariserSchuhe, wohlriechende Handschuhe, Bänder und dergleichen liegen.Mir fiel ein, daß morgen mein Geburtstag sei, und ich glaubte,mein Mann habe mir diese Galanterie gemacht, wofür- ich ihmherzlich dankte. Er aber versicherte mich mit den heiligstenSchwüren, daß diese Geschenke nicht von ihm herrührten, unddie heftigste Eifersucht faßte zum ersten Mal in ihm Wurzel.Er drang bald auf die rührendste und dann wieder heftigsteWeise in mich, ihm zn erklären, wer diese Dinge hierhergebracht. Ich weinte und konnte es ihm nicht sagen. Er glaubtemir nicht, befahl mir aufzustehen und ich mußte mit ihm dasganze Haus durchsuchen, aber wir fanden Niemand. Er begehrtedie Schlüssel meines Schreibcpultes, er durchsuchte alle meinePapiere- und Briefschaften, er entdeckte nichts. Der Tag brachan, ich verzweifelte in Thränen. Mein Mann verließ mich sehrunmuthig und begab sich nach seinem Laboratorium. Ermüdetlegte ich mich wieder zu Bett und dachte unter bittern Thränenüber den nächtlichen Vorfall nach. Ich konnte mir auch gar nichteinbilden, wer den Handel könne angestellt haben, und ver-wünschte, indem ich mich selbst in dem Spiegel sah, der meinemBett gegenüber stand, meine unglückliche Schönheit; ja, ich strecktegegen mich selbst, vor innerm Ekel, die Zunge heraus; aberleider blieb ich schön, ich mochte Gesichter schneiden wie ichwollte. Da sah ich in dem Spiegel - aus einem der neuenSchuhe, die auf dem Nachttische standen, ein Papier hcrvor-sehen. Ich griff hastig darnach und las unter heftiger Bestürzungfolgendes Billet:
„Geliebte Amclie! Mein Unglück ist größer, als je. Dichmußte ich meiden bis jetzt, und nun muß ich auch das Landfliehen, in dem Du lebst. Ich habe in meiner Garnison einenOffizier im Duell erstochen, der sich Deiner Begünstigung rühmte.Man verfolgt mich; ich bin hier in verstellter Klejdung. Morgen