Druckschrift 
4 (1862) Der kleinen Schriften erster Theil
Entstehung
Seite
280
Einzelbild herunterladen
 

28 «

Der Bürgermeister versprach ihr alle mögliche Unterstützungbei ihrer Niederlassung, und bat sie ihm in sein Arbeitszimmerzu folgen, wo er ihr Empfehlungen an einige Aerzte undApotheker der Stadt schreiben wollte. Als er nun die Fraudie Treppe hinaufführte, und oben über den Flur weg, kamdieselbe bei dem Anblick eines kindischen Gemäldes in eine solcheBestürzung, daß der Bürgermeister fürchtete, sie möchte an seinemArm ohnmächtig werden; er brachte sie schnell auf seine Stube,und sie ließ sich unter bitteren Thränen auf einen Stuhl nieder.

Der Bürgermeister wußte die Veranlassung ihrer Gemüths-bewegung nicht und fragte sie: Was ihr fehle? Sie sagte ihm:Mein Herr, woher kennen Sie mein Elend? Wer hat das Bildan die Stubenthüre geheftet, an welcher wir vorüber gingen?"Da erinnerte sich der Bürgermeister an das Bild, und sagte ihr:Daß es die Spielerei seines jüngsten Sohnes sei, welcher eineNeigung habe, alle Ereignisse, die ihn näher interessirten, insolchen Malereien auf seine Art zu verewigen. Das Bild aberbestand darin, daß der Knabe, welcher das Jahr vorher denAlchymisten kniend und die Hände ringend in dieser Stube:man vieu, mou vieu!" hatte ausrufen hören, diesen in derselbenStellung und über ihn drei Nüsse mit dem Spruche:Unicsuxprallest, uocet altern, tertia mors est!" auf eine Pappe gemaltund an die Stubenthüre, wo der Alchymist gewohnt, befestigt hatte.

Wie kann ihr Sohn das schreckliche Unglück meines Manneswissen?" sagte die Frau.Wie kann er wissen, was ich ewigverbergen möchte und weßwcgen ich mein Vaterland verlassenhabe?"

Ihres Mannes?" erwiederte der verwunderte Bürger-meister;ist der Chemikcx Todenus ihr Mann? Ich glaubte,nach ihrem Passe, daß sie die Wittwe des Apothekers Pierre duPont aus Lyon seien."

Die bin ich," entgegnete die Fremde,und der Abgebildete