214
welche er in Oel gemalt und dort zum Trocknen aufgehängthatte, schon ohne große Gefahr des Verwischens zusammenrollenkönne. Ihre Trockenheit übertraf alle seine Erwartung, denner malte mit Terpentin-Firniß, welcher trocken wird, ehe mansich umsieht. Was übrigens diese neun und dreißig National-gesichter betrifft, hatte es mit ihnen folgende Bewandtniß:Sie waren nichts mehr und nichts weniger als neun unddreißig Portraits von Ungaren, welche Herr Wehmüller gemalthatte, ehe er sie gesehen. Er Pflegte solcher Nationalgesichterimmer ein halb Hundert fertig bei sich zu führen. Kam er ineiner Stadt an, wo er Gewinn durch seine Kunst erwartete, sopflegte er öffentlich ausschcllen oder austrommeln zu lassen: Derbekannte Künstler, Herr Wehmüller, sei mit einem reich assor-tirten Lager wohlgctroffener Nationalgesichter angelangt und ladediejenigen unter einem hochedlen Publikum, welche ihr Portraitwünschten, unterthänigst ein, sich dasselbe, Stück vor Stück zueinem Ducaten in Gold, selbst auszusuchen. Er fügte sodannnoch, durch wenige Meisterstriche, einige persönliche Züge undEhrennarben, oder die Individualität des Schnurrbartes desKäufers unentgeldlich bei, für die Uniform aber, welche erimmer ausgelassen hatte, mußte nach Maßgabe ihres Reich-thumes nachgezahlt werden.
Er hatte diese Verfahrungsart auf seinen Kunstreisen alsdie befriedigendste für sich und die Käufer gefunden. Er maltedie Leute nach Belieben im Winter mit aller Bequemlichkeit zuHaus, und brachte sie in der schönen Jahreszeit zu Markte. Sogenoß er des großen Trostes, daß Keiner über Unähnlichkeitoder langes Sitzen klagen konnte, weil sich Jeder sein Bildnißfertig wach bestimmtem Preise, wie einen Weck auf dem Laden,selbst aussuchte. Wehmüller hatte seine Gattin vorausgeschickt,um seine Ankunft in Stuhlweißenburg vorzubereiten, währender seinen Verrath von Portraits bei seinem Freunde Lurh zu