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„Die Nacht mußte ich mit dem Kinde in des BürgermeistersHaus schlafen, und am andern Morgen ging ich den schwerenGang zu der Hinrichtung des Jägers Jürge. Ich stand nebendem Bürgermeister im Kreis, und sah, wie er das Stäbleinbrach. Da hielt der Jäger Jürge noch eine schöne Rede, undalle Leute weinten, und er sah mich und die kleine Annerl,die vor mir stand, gar beweglich an, und dann küßte er denMeister Franz, der Pfarrer betete mit ihm, die Augen wurdenihm verbunden und er kniete nieder. Da gab ihm der Richterden Todesstreich. Jesus, Maria, Joseph! schrie ich aus; dennder Kopf des Jürgen flog gegen Annerl zu und biß mit seinenZähnen dem Kinde in sein Röllchen, das ganz entsetzlich schrie.Ich riß meine Schürze vom Leibe und warf sie über denscheußlichen Kopf, und Meister Franz eilte herbei, riß ihn losund sprach: „Mutter, Mutter, was habe ich gestern Morgengesagt; ich kenne mein Schwerdt, es ist lebendig!" — Ich warniedergesunken vor Schreck, das Annerl schrie entsetzlich. DerBürgermeister war ganz bestürzt und ließ mich und das Kindnach seinem Hause fahren. Da schenkte mir seine Frau andereKleider für mich und das Kind, denn die unsrigen warenvon Jürge's Blut bespritzt, und Nachmittags schenkte uns derBürgermeister noch Geld, und viele Leute des Städtchensauch, die Annerl sehen wollten, so daß ich an zwanzig Thalerund viele Kleider für sie bekam. Am Abend kam der Pfarrerins Haus und redete mir lange zu, daß ich das Annerl nurrecht in der Gottesfurcht erziehen sollte, und auf alle diebetrübten Zeichen gar nichts geben, das seien nur Schlingendes Satans, die man verachten müsse, und dann schenkte er mirnoch eine schöne Bibel für das Annerl, die sie noch hat; unddann ließ uns der gute Bürgermeister am andern Morgen nochan drei Meilen weit nach Haus fahren. Ach, du mein Gott,und Alles ist doch eingetroffen!" sagte die Alte und schwieg.