kleinen Schranke, der an der Wand befestigt war, und sprach:„Großmutter, da ist eine Maus drin, hört, wie es klappert,da ist eine Maus drin!"
„Auf diese Rede des Kindes machte der Meister ein sehrernsthaftes Gesicht, riß den Schrank auf und sprach: „Gottsei uns gnädig!" denn er sah sein Richtschwerdt, das alleinin dem Schrank an einem Nagel hing, hin und her wanken.Er nahm das Schwerdt herunter und mir schauderte. „LiebeFrau," sagte er, „wenn Ihr das kleine liebe Annerl liebhabt, so erschreckt nicht, wenn ich ihr mit meinem Schwerdterings um das HälSchen die Haut ein wenig aufritze; denn dasSchwerdt hat vor ihm gewankt, es hat nach seinem Blute ver-langt, und wenn ich ihm den Hals damit nicht ritze, so stehtdem Kinde groß Elend im Leben bevor." Da faßte er dasKind, welches entsetzlich zu schreien begann, ich schrie auch undriß das Annerl zurück. Indem trat der Bürgermeister des Städt-chens herein, der von der Jagd kam und dem Richter einenkranken Hund zur Heilung bringen wollte. Er fragte nach derUrsache des Geschreis. Annerl schrie: „Er will mich umbringen'!"Ich war außer mir vor Entsetzen. Der Richter erzählte demBürgermeister das Ereigniß. Dieser verwies ihm seinen Aber-glauben, wie er es nannte, heftig und unter scharfen Drohungen.Der Richter blieb ganz ruhig dabei und sprach: „So haben'smeine Väter gehalten, so halt' ich's " Da sprach der Bürger-meister: „Meister Franz, wenn Ihr glaubt, Euer Schwerdt habesich gerührt, weil ich Euch hiermit anzeige, daß morgen frühum sechs Uhr der Jäger Jürge von Euch soll geköpft werden,so wollt' ich es noch verzeihen; aber daß Ihr daraus etwasauf dies liebe Kind schließen wollt, das ist unvernünftig undtoll. Es könnte so etwas einen Menschen in Verzweiflung bringen,wenn man es ihm später in seinem Alter sagte, daß es ihmin seiner Jugend geschehen sei. Man soll keinen Menschen in