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4 (1862) Der kleinen Schriften erster Theil
Entstehung
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erzählen, was mich in die Stadt den weiten Weg hertreibtIch hätt' es nicht gedacht, wieder hierher zu kommen. Es sindsiebzig Jahre, daß ich hier im Hause als Magd gedient habe,auf dessen Schwelle ich sitze, seitdem war ich nicht mehr in derStadt; was die Zeit herumgeht? Es ist, als wenn man eineHand umwendet. Wie oft habe ich hier am Abend gesessen vorsiebzig Jahren, und habe auf meinen Schatz gewartet, der beider Garde stand. Hier haben wir uns auch versprochen. Wenner hier aber still, da kömmt die Runde vorbei."

Da hob sie an mit gemäßigter Stimme, wie etwa jungeMägde und Diener in schönen Mondnächten, vor der Thüre zusingen, und ich hörte mit innigem Vergnügen folgendes schönealte Lied von ihr:

Wann der jüngste Tag wird werden,

Dann fallen die Stcrnelein auf die Erden.

Ihr Todten, ihr Todten sollt auferstehn,

Ihr sollt vor das jüngste Gerichte gehn;

Ihr sollt treten anf die Spitzen,

Da die lieben Engelein sitzen.

Da kam der liebe Gott gezogenMit einem schönen Regenbogen.

Da kamen die falschen Juden gegangen,

Die führten einst unsern Herrn Christum gefangen.

Die hohen Bäum' erleuchten sehr,

Die harten Stein' zerknirschten sehr.

Wer dies Gebetlein beten kann,

Der bet's des Tages nur einmal,

Die Seele wird vor Gott bestehn,

Wann wir werden zum Himmel eingehn!" Amen.

Als die Runde uns näher kam, wurde die gute Alte gerührt.Ach, sagte sie, es ist heute der sechzehnte Mai, es ist doch Alleseinerlei, gerade wie damals, nur haben sie andere Mützen aufund keine Zöpfe mehr. Thut nichts, wenn's Herz nur gut ist!"