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vor den Aehren. Aus dem Sitze des Stuhles strahlte eine Mohn-pflanze von Licht mit acht Blumen zum Nachthimmel hinauf.In der Mitte der Pflanze unter dem Monde saß die Nacht, eineliebe mütterliche Frau, und ihr zur Rechten und Linken auf denacht Mohnblumen acht Sterne als sinnende Knaben. Es schwebteaber von dem Thronstuhl an dem Mohnstcngel ein ernstes kleinesMägdlein zum Sternhimmel empor, und zwei Engel senktenSterne in die beiden Lilien zur Seite des Thrones; dazu sangendie Knaben auf den Mohnblumen oben:
„O Stern und Blume, Geist und Kleid,
Lieb', Leid und Zeit und Ewigkeit!"
Die Sense des Schnitters sauste immer näher durch die Halmen,und da ich mich niedersetzte, den Kranz aus den gesammeltenBlnmen zu flechten, sah ich zu meinen Füßen dicht vor demThronstuhl auf einem Kinderslühlchen einen Knaben schlummerndsitzen. Er hatte eine Feder hinter dem Ohr und schlief, denKopf auf den Arm lehnend, auf dem scharfen Rande des Thron-stuhls. Ich sagte zu Verena: „Was macht das Büblein?" Dasprach sie, des langen Mitleides gewohnt: „Es hat seine Sachvollbracht und ist dicht an der Grube vor Müdigkeit entschlafen;sieh, wie hart es da auf dem Rande liegt! Ich habe Aehren lesendeine kleine feine Garbe in meinen Korb gesammelt, o lege sieihm unter das Haupt, damit es nicht darbt, wenn der Schnitteres weckt; horch, schon naht er in den wogenden Halmen." Ichlegte ihm die Garbe in den Arm, und sah. O Wunder! zu seinenFüßen ruhte mein Tagebuch, und ich las gar Vieles mehr darin,als ich hineingeschrieben, z. B. diesen ganzen Traum, und daßVerena gestorben sei und mir zwölf Franken vermacht habe. „Istdas wahr, Verena?" fragte ich. Und sie sprach: „Gewiß, gewiß,und es hat große Zinsen gebracht im Almosenstock, wie dasSchärflein der Wittwe."