ich dann schneller eilend die Ranke mit fort und dachte: Sie wirdmir morgen ein Zeichen sein, daß ich nicht geträumt. In meinemSchlafgemache hörte ich immer jene Worte noch um mich tönen.
Ich verstand sie durch und durch, und konnte sie doch nicht
erklären. Ich verstand ihr Wesen, und hatte keine Worte für
sie, als sie selbst. Immer wiederholte ich sie, immer sah ich dieleuchtenden Lilien und die Sterne vor mir, die sie grüßten.
Als ich mir den Nachtthan von dem Angesichte wusch, war mir,als sehe ich ein Haupt, so deutlich neben mir, daß ich die Rankevon meinem Kleide löste und das Haupt mit ihr bekränzte. Dahörte ich jene Worte wieder und erschrack nicht, und legte dieHand auf das Haupt und fühlte: diese Worte sollen meinWahlspruch sein. Entschlummernd aber hörte ich eine klagendeStimme: „Ach, wer nimmt mir von der Stirne den Traum?"Da versteckte ich mich, und hörte zum ersten Mal in meinemLeben mein Herz heftig pochen und entschlief.
St. Albanustag. — Heut'ward Alles wahr. Ich stand beimeinem lieben Herzgespann und sie trugen das Kind zur Kirche,indessen erzählte ich ihr, wie ich Nachts im Traume bei der Rosegestanden, und was ich gesehen, und sie brachten das Kindleinganz klar und heil wieder, und ich legte es ihr anS Herz, undmein Herzgespann weinte auf das Röslein, wie Nachts dieRose gethan.
St. Achatinstag. — Heute mußte ich das kleine Rösleinin den Garten tragen. Mein Herzgespann glaubte, es bringeihm einen besondern Segen, durch mich zuerst an die Luftgetragen zu werden. Ich trug es und sagte ihm im HerzenAlles, waS ich gesehen, von den leuchtenden Frauen und demJünglinge mit der Lilie, und es schien es besser zu verstehenals ich; denn es sah mich groß an, lächelte und weinte danngar beweglich. Ich aber hatte immer Angst, ich möge es fallenlassen, und brachte es heim. —