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ihre Stubenthüre. Das Gallinarium ist unter ihrer Wohnung;da lebet das Hühnlcin Gallina und seine große Familie, und hatdasselbe sein Nest, seine Stange, sein Freß- und Sauftröglein,alles abgesondert und von Verena besonders gepflegt. Hier untenist ein kleiner Garten und Hühnerhof, und dem Gallinarium
gegenüber ein Behälter für das Holz, und in weiteren alten
Gewölben sind die Räume, wo die Wäsche des Schlosses besorgtwird. Dieser ganze Theil des Schlosses von Hennegau ist sehralt und etwas wüste; man hat ihn nie erneuert aus Achtungfür das Gallinarium, weil Gallina, das erste fromme Hühulein,
welches das Werkzeug zur Bekehrung des Belgius und zur
Benennung des ganzen Landes gewesen, hier gewohnt hatte.Ich ging aber immer von Kind auf mit einem heiligen Grauenin das Gallinarium; es war da einsam und gar ernsthaft; ander einen Seite liegt St. Petri Münster, die erste Kirche desLandes, die auch durch das fromme Hühnlein veranlasset worden,und um das Gallinarium her läuft der Kreuzgang von demehemaligen Kirchhofe St. Peters, worin alte Todtentrageu undschwarze Sargdecken und Flitterkränze und Kreuze stehen. Andem Treppcheu zu Verena's Stübchcn eilte ich immer schnell undscheu hinauf, denn die Wäscherinnen sagten mancherlei Unheim-liches von dem Gewölbe bei dem Gallinarium, und wußte VerenaVieles davon zu erzählen, aber wollte nie recht damit heraus-Immer wußte ich nicht recht, was das heißen sollte, daß meineMutter oft zu ihr zu sagen Pflegte: „Verena, was macht dasBüblein?" worauf sie jedesmal ernst und bedenklich erwiederte:„Es macht sein Sach!" — und doch war es von Kindheit aufmeine Gewohnheit, wenn ich sie sah, diese Frage an sie zu wieder-holen, und dieselbe Antwort von ihr zu erhalten, ohne daß sie jemeine heimliche Neugierde, was und wo dies Büblein sei, undwas es eigentlich thue, befriedigt hätte. Verena war mir auchdurch eine eigne Gewohnheit, die sie wie eine strenge Pflicht in