Druckschrift 
4 (1862) Der kleinen Schriften erster Theil
Entstehung
Seite
47
Einzelbild herunterladen
 

L7

müssen, den Vogler von ihm zu grüßen, und will er ihm näch-stens einen kranken Falken schicken, daß er ihn Pflege. Komm,Elslein," sagte der Ritter dann zu mir,ich will dich selbst zudeinem Vater bringen, es ist noch hoch am Tag, und mag erWohl Trostes bedürfen." Da brachte mich der Ritter wieder zurHirzentreu, und ging Georg wieder mit. Die Edelfrau aberblieb mit Johann zurück, der sollte ihr von dem Wesen desGrafen von Nassau erzählen. Wir fanden aber meinen Vatermit dem Laurenburger Knechte vor der Thüre sitzen in stillemGespräch, und als dieser seinen Herrn herankommen sah, dermich auf dem Arme den steilen Pfad herauf trug, stand er aufund trat bei Seite; mein Vater aber lief mir entgegen, nahmmich von des Ritters Armen und herzte mich unter Thränen.Da sprach ihm der Laurenburger ehrlich zu und getröstete ihn,so gut er es vermochte, setzte sich auch zu ihm auf die Bankund erzählte ihm von des Nassauers Gunsten zu ihm, undsprachen sie mancherlei, nicht als ein Ritter zu einem Knechte,sondern als gute Nachbarn und Freunde, denn das Unglückmachet Gesellen. Es war aber dem Laurenburger auch seineerste Hausfrau mit sammt dem Kindlein in dem Kindelbettegestorben, deren gedachte er mit vieler Liebe. Unter solchemGespräche stand ich zwischen meines Vaters Knien, und Georgneben dem Laurenburger, und spiegelten uns in dessen blankemBrustharnisch, und lachten, weil er hohl geschliffen unsereGesichter auf mancherlei Weise verstellte. Dann sagte nnr derVater ins Ohr, ich möge den Wein und die Würze von derMutter Tischlein bringen. Da ging ich zur Stube, aber die warganz anders geworden; wo das Bett gestanden, stand der Bet-schemel und das Altärlein, und hing ein neu Muttergottesbildan der Wand, und an demselben der Mutter und des VatersBrantkränzlein; ihre Spindel aber stand vor meinem Bänklein,und war Alles gar verändert. Das hatte meinem Vater der