So zogen wir ein Stück Wegs nach dem Lahnthal hinab,und hatte ich schier auch Alles vergessen, denn das Reiten, diefremde Fran und ihr Söhnlein, das mancherlei kleine Liedermit ihr sang, beschäftigten meine Seele. Aber der Hungerfing mich an zu drücken, und ich bemerkte mit Weinen, daß ichmein Brod nicht mehr in meiner Tasche fand. Da fragte michdie Edelfrau: „Els, was weinst du?" und ich sagte ihr: „Ichhungre, denn ich habe dem Jesuskind mein Brod gegeben, unddas Kräutlein von ihm erhalten, aber nun habe ich das Kraut-lein verloren und hungre," und dabei verlangte ich heftig, siemöge mich in den Wald zurücklassen, das Kräutlein zu suchen.Ich mußte der Edelfrau das Kraut aber beschreiben, denn seinenNamen wußte ich nicht. Da sagte sie auf einmal: „Meinliebes Kind, du hast Wohl geträumt, aber die BarmherzigkeitGottes ist groß, denn sieh, mein Diener trägt ein solches Krautin einem feuchten Tuch eingeschlagen in seinem Wadsack aufdem Rücken, dies Kraut aber wächst nicht hier zu Lande, sondernhabe ich es im Kloster Arnstein, wo ich zur Beichte war, vondem Gärtner erhalten, der es von einem Priester aus fremdenLanden jenseit des Meeres hat." Da mußte der Knecht denWadsack öffnen, und siehe da, es war dasselbe Kraut darinnen,das ich im Traume gesehen. Meine Freude war unaussprechlich,und die gute Edelfrau befahl dem Knechte, sogleich das Krautmeinem Vater zu bringen, und ihm zu erzählen, wie ich esgesucht, und wie mich die Edelfrau mit nach der Laurenburggenommen. Der Diener kannte meinen Vater gar wohl undlief mit Freuden die Waldstege nach unsrer Hütte zu. Nunritt die Edelfrau mit mir und ihrem Söhnlein allein vollendszur Lahn hinab und an einer seichten Stelle hinüber nach derLaurenburg, wohin der Diener bald auch kam und mich auf demKahne zu meinen Eltern hieher zurück brachte. Die gute Edel-frau hatte mir viele Liebe erwiesen, und gab mir noch einKrüglein mit altem Wein und einige stärkende Gewürzküchlein
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten