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4 (1862) Der kleinen Schriften erster Theil
Entstehung
Seite
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noch cin so kleines Mägdlein, daß ich nicht recht wnßte, wasSterben ist. Ich erinnere mich noch recht wohl, daß ich anfihrem Bette saß, als sie krank war, und ihr die Fliegen wehrte,und ihr alle die kleinen Gebete und Sprüche, die sie mich gelehrt,vorsagte, und meinem Vater zur Hand ging, sie zu pflegen, soviel es ein Kind vermag. Da ich nun oft, wenn meine MutterArzucikräuter suchte, mit ihr im Walde gewesen war, und sie mirdabei allerlei Heilkräfte der Pflanzen mitgetheilt hatte, so warmeine Seele damals so erfüllt von der Begierde, ihr zu helfen,daß ich einstens in der Nacht vor einbrechendem Tage in denWald hinauslief, um ihr einige Kräuter zu suchen, von welchenmir geträumt hatte. Ich lief lange herum und suchte mit unbe-schreiblicher Angst die Kräuter, welche ich mich vorher gesehenzu haben nicht erinnerte. Schon stand die Sonne hoch amHimmel und ich war weit von unsrer Hütte verirrt, aber ichvergaß, vor Begierde das Arzneikraut zu finden, meinen Hunger,und als ich endlich in großer Ermüdung uiederkniete und mitThränen zu dem lieben Jesuskinde betete, es möge mir dochdas Kraut suchen helfen, ich wolle ihm auch mein Brod schenken,bin ich darüber vor Müdigkeit entschlafen. Nach einigenStunden erwachte ich, und sah eine schöne edle Frau vor mirstehep, ein Diener führte ihr Roß, auf welchem ihr Söhnlcinsaß, und war sie abgestiegen, als sie mich so allein im wildenWalde liegen sah. Sie fragte mich, wer ich sei. Und da ichihr gesagt, ich sei Voglers Els von der Hirzcntrcu, und heutefrüh ausgegangen cin Kräutlein für die kranke Mutter zu suchen,küßte sie mich und sagte, daß sie mich heimführen Wolle mit sichnach der Laurenburg, denn sie war die Hausfrau des altenLaurenburger's, deine Großmutter, von da wolle sie mich überdie Lahn nach der Hirzcntrcu bringe» lassen. Sie setzte sichnun auf das Roß, und nahm mich vor sich auf des PferdesHals, ihr Söhnlein aber, Jörg, saß hinter ihr und hatte siemit den Armen umfaßt.