Druckschrift 
4 (1862) Der kleinen Schriften erster Theil
Entstehung
Seite
34
Einzelbild herunterladen
 

3L

wildes Herz gerührt. Ich betrachtete alle diese Dinge, die ichfrüher nie gesehen, mit bangem Staunen, während meine Mutter,auf einem hölzernen Stuhle sitzend, still zum Fenster hinaus nachder Laurenburg sah. Alles, was mir seit dem letzten Abendbegegnet war, hatte die ruhige Folge der gewohnten Eindrückein meiner Seele unterbrochen, und wenn ich jetzt zurück gedenke,möchte ich meine damalige Empfindung Wohl dem Gefühle einesNades vergleichen, wenn es in der Mühle plötzlich lebendigwerden und sehen könnte, wie es sich selbst und alle die andernRäder sich mit ihm herumdrehen, ohne sich doch gleich vorstellenzu können, was es selbst, und die andern Räder eigentlich sollenund was überhaupt eine Mühle ist. Besonders aber befremdetees mich, daß meine Mutter mit allem dem Geräthe der Hütteganz vertraut war, und in der Hütte that, als wäre sie immerdarin gewesen; darum fragte ich sie mit den Worten:LiebeMutter, bleiben wir nun hier, ist dies auch unser Haustein?Dann will ich uns einen kleinen Garten bauen und ein Vogel-steller werden." Da entgegnete sie freundlich:Was willst dudenn mit den Vöglein anfangen?" Worauf ich sagte:Ich willsie das Vaterunser beten lehren." Da fragte sie:Weißt dudenn, wo dein Vater ist?" Und ich antwortete:Im Himmel."Nun nahm sie mich zu sich, und ich mußte mich zu ihren Füßensetzen, und da erzählte sie mir ungefähr das, was ich hier weiterniederschreibe.

Wenn ich auch gleich jedes ihrer lieben Worte jetzt, da icherwachsen bin, nicht mehr so recht eigentlich wissen kann, dürftees doch nicht viel anders gelautet haben, denn ich habe mir allesscharf in das Gedächtniß gefaßt, und es mir oft wieder von ihrerzählen lassen, so daß wohl eher zu viel, als zu wenig, hierstehen mag. Sie sprach aber:Lieber Johannes, du hast michseit gestern wohl trauriger als je gesehen, denn ich dachte gestern,da die Arbeit vollendet war, schon daran, wie ich heute alle die