7
Todes in dem trüben tiefsinnigen Winter, also wandelte auch icharmer Schelm wie ein einfältiges Kjnd ohne Witz durch denGarten, und konnte vor großer Bewegung über mein neuesGlück, das mir gestern früh noch nicht geträumt hatte, nicht zumGebete gelangen.
Mein freudiges Erstaunen wollte aber nicht lange dauern,denn als ich meine Augen ersättiget hatte, ward es mir alseinem Hungrigen, der sich ohne Gebet zu einer reichlichen Mahl-zeit gesetzet hat, welche ihm Gott darum nicht gesegnet. Alle dashäusliche, wohlgepflegte Behagen des schönen Ziergartens erfülltemich mit traurigen Gedanken, und die Armuth, die Einsamkeitmeines eigenen Lebens trat mir in dieser reichen Umgebung zumersten Male recht lebendig vor die Seele. Was mag traurigersein, als das Bild eines Bettlers auf goldenem Grunde gemalet.
„O meine Mutter," sagte ich in mir, „wer war sanfterund schöner, und feiner und edler als du; wer war würdiger,zwischen Blumen zu wandeln, als du, die Wohl ihre Schwesterund Gespielin sein konnte; standen die Thränlcin nicht auf denWangen, wie die Thautröpflein auf diesen Rosen, gingst dunicht durch den Wald wie ein Lüftlein durch die Blüthen, undwaren deine Augen nicht getreu und süß schauend wie die blauenVeilchen, deine Lippen nicht wie die rosinfarbenen Nelken, undflog dein gelbes Haar nicht wie der Sonnenschein? Aber dumußtest gehen wie Hagar mit deinem Jsmael durch die Dornenin der Wüste. Ach, warum ward nicht dir so ein Garten undso ein Haus, und warum wohnest du zwischen fünf Brettern undzwei Brettlein, und bist deines Lebens nicht froh geworden, nochdeines Todes? Sie haben dir keinen Kranz geflochten. Miraber ist Nichts geblieben als deine Zucht, und ich kann deinnicht gedenken in Freuden, denn mir gehöret Nichts als dieArmuth, und ich habe keinen Seckel, aus dem ich dir das schönsteGrab könnte erbauen lassen von Marmelstcin und Gold."