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Raffaels Disputa
Entstehung
Seite
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Ueberdies aber war Raffael auch Bildhauer und, wenn dieneueste Entdeckung sich bewährt, auch Kupferstecher. Wenn Raffaelin beiden Fächern keine große Zahl von Kunstwerken hinterlaffenhat, so ist das vorhandene doch vollkommen hinreichend, um zubeweisen, daß er auch in diesen Fächern so bewundernswürdig wiein der Malerei hätte werden können, wenn er sich denselben hättewidmen wollen. Ueber eine seiner Statuen fällt Passavant fol-gendes Urtheil:Einzig in seiner Art aus jener Zeit ist beson-ders die jugendliche Frische und Fülle der Formen ohne alle Ma-nier der michel-angolo'schen Weise; und schwerlich hat überhauptdie moderne Skulptur je eine schönere Jünglingsphysiognomie ge-bildet,' als die, welche Raffael dem Jonas gegebenI".

Daß Raffael sich auch im Kupferstichen versucht habe, war vouder Kunstgeschichte nicht ausgezeichnet. Es ist ein eigenthümlichesZusammentreffen, daß in derselben Stadt, wo die Disputa Raffaelsneu verherrlicht entstanden ist, zugleich eine Entdeckung gemachtwurde, welche für die Kunstgeschichte überhaupt ein hohes Interessedarbietet. In der Kupferstichsammlung der königlichen Akademiezu Düsseldorf findet sich eine Madonna, auf Wolken sitzend, mitdem Christuskinde, welches ihr zur Rechten steht. Drei Engelin Kindesgestalt, bis zum halben Körper sichtbar, sind auf denWolken angebracht, und der Kopf eines vierten scheint versteckt aufder linken Seite der h. Jungfrau über den Wolken hervor, aufwelchen sie sitzt. Dieser Stich wurde in der Sammlung derkönigl. Kunstakademie zu Düsseldorf zuerst dem Baptista Frankobeigelegt, später den Stichen des Marc Antonio zugeschrieben;der Professor der genannten königl. Kunstakademie, Herr AndreasMüller, hat aber die glückliche Entdeckung gemacht, daß dieserKupferstich von keinem anderen als von Raffael selbst herrühre.Jede Linie unseres Stiches^), sagt Herr Müller, athmet den GeistRaffaels, und' so leicht und frei alle Theile desselben gemacht sind,

>) Passavant I., 250.

r) Deutsches Kunstblatt, Augustheft 1858, S. 212.