Druckschrift 
Raffaels Disputa
Entstehung
Seite
163
Einzelbild herunterladen
 

163

entfalten. Klar und heiter, wie der Himmel am Frühlingsmorgenin Italien, ist die unvergleichliche Sprache Petrarca's in seinen be-wunderten Romanzen; mit dem Ausdrucke und der Sprache, mitder Lyrik Petrarca's, die nicht italienisch, sondern europäisch ist,wetteifert der Ausdruck unseres Bildes und so wird es denn, undin ihm der schöne Genius Raffaels, seinen Lauf auf erweitertenund vervielfältigten Bahnen durch neue Jahrhunderte antreten,um Künstler und Kenner, und um die Freunde der Kunst und desKunstschönen, der Gegenwart wie der Zukunft mit Begeisterungzu erfüllen, zur Nacheiferung zu reizen, und zum unvergänglichenZeugnis;, das; Majestät nicht anders in's Aeußere kommt, als durchGott im Innern. Aber jetzt noch wird das Verlangen hervor-treten, neben der Disputa auch die Schule von Athen, das natür-liche Seitenstück derselben, von derselben Hand durch den Stichelerneut, zu besitzen! Daß dieses Verlangen je erfüllt werde, habenwir zu bezweifeln leider nur zu viel Grund. Wir treffen auchhier auf eine Eintheilung und ein Verhältnis;, was wir mit einemWorte berühren wollen, eine Eintheilung, die von den Altennicht mit Unrecht fast überall angewendet wird, weil sie wirklichin ihrer Welt natürlich und in ihrer Bildung die herrschendewar. Denn so wie Göttliches und Menschliches verschieden ist,so verhält sich auch die Ilias zur Odyssee, Plato zu Aristoteles,Sophokles zu Aeschylus, Herodot zu Thucydides und die Disputazur Schule von Athen.

11 *

-7.- - 7-ML« E-ML