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stellen, welches in allen seinen Theilen hell ist, ohne durch irgendeinen blendenden Reflex zu wirken.
Auf die unvergleichliche Charakteristik in dein Bilde Raffaels,die Eigenschaft, wodurch jeder Individualität derjenige Gradvon Schönheit verliehen wird, welcher mit derselben vereinbar ist,haben wir schon früher hingedeutet. Unserem nachbildenden Künstlerist es, wie keinem Anderen gelungen, diese Charakteristik wiederzu-geben; dieses leuchtet ein, wenn man den Ausdruck des h. Hiero-nymus, oder des heil.' Ignatius, oder des Justinus, oder desh. Bonaventura betrachtet.
Edle Einfalt und stille Größe, sowohl in der Stellung alsim Ausdruck, ist, wie Winckelmann behauptet, das allgemeine Kenn-zeichen der griechischen Meisterstücke in der Malerei und Bildhauer-kunst H. Ueberall auf unserem Bilde erblicken wir, in der Stellungwie im Ausdrucke Leben, überall Bewegung, überall stille Größe,ohne jede Spur des Gewaltsamen, des Uebertriebeneu, und wieman hier Ruhe in Bewegung, Bewegung in Ruhe erblickt, so istauch ein anderer Gegensatz, dessen Ausgleichung man auf dem Ge-biete des Schönen für unmöglich hielt, zur Ausführung gekommen,indem auf unserem Bilde das Ideale natürlich und die Naturidealisch geworden ist.
Keine Nation kann sich rühmen, so gelungene Uebersetzungenklassischer Werke zu besitzen, als die deutsche. Unter den meister--haften Uebersetzungen dieser Nation ist die Uebertragung der WerkeShakespeare's durch A. W. von Schlegel eine der ausgezeichnetsten.Der große Geist Shakespeare's tritt in derselben neu verklärt her-vor, so daß, wenn es möglich wäre, die Übersetzung die Urschriftverdunkeln könnte. Wem der Anblick des Naffael'schen Urbildesden Geist desselben nicht ausgeschlossen hat, dem wird sich in un-serer Nachbildung das Verständlich des großen Kunstwerkes wiein einen: Commentar, der nicht mit Buchstaben und Worten, son-dern mit Licht und Geist geschrieben ist, deutlich aufschließen und
>) Lessing, Laokoon, S. 9.