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Raffaels Disputa
Entstehung
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Drei und ein halbes Jahrhundert sind an den vatikanischenWandgemälden vorübergegangen; Kriegsläufte, Veränderung desGeschmackes und Vernachlässigung haben, mit der Macht der Alleszerstörenden Zeit vereint, diese Wandgemälde des Glanzes beraubt,mit welchem geschmückt sie der schöpferischen Hand Raffaels ent-flossen waren. Soldaten, welche unter Karl V. Rom brandschatzten,hausten in diesen Räumen; die Bilder wurden beschädigt und durchden Rauch, der von den Kaminfeuern anfstieg, geschwärzt; späterwählten die Päpste andere Palläste oder andere Zimmer zu ihrerWohnung; die Stanzen wurden vernachlässigt. Selbst die Künstlerhaben das Ihrige dazu beigetragen, diese Bilder, und namentlichdie Disputa zu beschädigen. Insbesondere seit Raffael Mengs,dem Klopstock der Malerei, wurde unser Bild sehr oft von Künst-lern copirt. Die päpstliche Regierung ertheilte sehr freisinnig dieErlaubniß dazu; aber diese Freisinnigkeit hatte nicht selten übleFolgen für das Bild. So bemerkt man an einer großen Anzahlvon Köpfen rund umher weiße Flecken. Und wie sind diese ent-standen? Von den Kopisten, welche ihr Pauschpapier mit Oblatenauf denselben befestigten und später abrissen! Auch sonst zeigensich Spuren des Verderbens. Die Glorie, in welcher die kleinenEngel schweben, und die Strahlen, welche von dem Heilande aus-gehen, waren, wie bereits berichtet worden, in Stuck erhaben auf-gesetzt, und dann, um dieser Stelle das höchste Licht zu geben,vergoldet worden. Die Zeit hat sie gedunkelt und geschwärzt.Manche Gewänder, namentlich die Blauen, wie z. B. das desPicus von Mirandula, sind ausgeblichen, so daß die Motive derFalten nur noch mit Mühe können unterschieden werden. Ueber-haupt aber sind die Schatten und Farben von ihrer ursprünglichenFrische abgefallen; die Lichter sind durch den Staub, wie durch