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daß jede einzelne Figur, auch die untergeordnetste auf den erstenBlick in dem großen Ganzen leserlich, plastisch und selbstständigaus dem Bilde hervortritt, während sie gleichzeitig in freier Mit-wirkung, in schöner Bewegung sich der Gruppe einreiht und ihrdient.
Die Physiognomiken auf unserem Bilde offenbaren die höchsteIndividualität; sie sind ideal und doch höchst natürlich und wahr.Die Charakteristik in den Formen der Gesichtsbildung ist bis zuräußersten Gränze, wie in dem Bilde des h. Petrus, ausgebildet,sie hält sich aber von der Carrikatur fern, eine Gefahr oder Ver-irrung, vor welche Raffael durch seinen unvergleichlichen Schön-heitssinn bewahrt wurde — Raffael, vou dem, wenn von irgendeinem Andern, das Wort Gocthe's gilt:
Wie herrlich ist die Welt! wie schön!
Heil ihm, der sie so geseh'n!
Unser Bild offenbart im Allgemeinen die glücklichste Vereinigungvon Naturwahrheit und Idealismus, von Naturwahrheit selbst inNebendingen. Die Absicht, zu gefallen oder großartig zu sein,wird nirgendwo verrathen; wir erblicken das Meer in stiller Größe,denn groß ist es, auch wenn cs seine Größe durch den Sturmnicht verräth! die Größe des Bildes leuchtet aber um so mehrhervor, je mehr sich die kindliche Unbefangenheit, die gläubige Hin-gabe darin offenbart, die dasselbe wie unbewußt geschaffen hat.
Von vielen und großen Kunstkennern ist dieses Bild als diehöchste Blüthe der christlichen Kunst betrachtet worden, alle aberwurden durch dasselbe mit Bewunderung erfüllt.
In dem vatikanischen Pallaste sind drei Säle von der HandRaffaels mit Wandmalereien geschmückt; neue Schöpfungen hierauszuführen, wurde er durch seinen frühzeitigen Tod verhindert.Unter diesen drei Sälen, stanrio <li UsKaells genannt, zeichnet sichder erste vor den beiden andern aus. In diesem ersten Saale sindcs zwei Bilder, welche die Aufmerksamkeit vor allen anderen aufsich ziehen, die Disputa und die Schule von Athen. Vondiesen beiden Bildern wird von Vielen der Disputa der Vorzug