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Raffaels Disputa
Entstehung
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aus. Allem Werdenden fällt das Interesse zu; vor dem werden-den Bauwerke bleibt die Kritik stehen, an dem gewordenen gehtsie vorbei; dem Knaben, dem strebenden Jünglinge wendet sichhelfende, fördernde Theilnahme zu, dem beförderten entfremdet siesich; die Rose, welche sich entfaltet, fesselt den Sinn und füllt ihnmit süßer Ahnung; das Schöne zieht an, well es verheißt, dasHäßliche stößt ab, weil es nichts verheißt, nichts hoffen läßt, unddie Natur selbst, folgt sie nicht diesem Gesetze in dem Baume,in seinen Aesten und Blättern?Eine Person, sagt RaphaelMengs, welche etwas wirft, nimmt oder gibt, wird in einem Ge-mälde ganz anders wirken, als die andere, welche die Sache schongegeben, genommen oder geworfen hatH." Das Moderne ist Haßaller Schranken, und darum zerfließt auch unter dem Hauche des-selben die Antike, wo man sich an sie als an die Quelle der Ge-sundheit wendet, denn mit allen Schranken fällt alle Realität weg!

Mannigfaltigkeit in der Einheit, Ruhe in der Bewegung, Frei-heit in Ordnung, Göttliches im Menschlichen, das sind die süßenElemente, in welchen der Geist sich gefällt, der Haß schweigt unddas Herz ruhig schlägt. Dasselbe Gesetz der Ordnung und derSymmetrie, an welches die Gruppe gebunden ist, beherrscht diemonumentale Malerei, wie die Harmonie das Reich der Töne.Trotz der symmetrischen Verhältnisse auf unserem Bilde, entdeckenwir nirgend eine steife, eckige Anordnung.der Massen, keine gewalt-same Bewegung, keine Stellung erinnert an die Schaubühne; jedeBewegung ist einfach wahr und doch im höchsten Grade lebendig.Man betrachte die einfache und großartige Bewegung des h. Jnsti-nus und den einfachen sprechenden Geberdenausdruck der gegen-überstehcnden Figur, des antiochenischen Bischofes Ignatius! Dieeinzelnen Gruppen werden gehoben und erhalten ihre Rundungdurch die bewundernswürdige Vertheilung der Beleuchtung in derentschiedenen Gegenüberstellung der Lokalfarben, das heißt, solcherFarben, welche den Dingen eigenthümlich sind. So kommt es,

>) Raphael Mengs I., 141.