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Schönheit enthülle. So behandelte auch der klassische Künstlerdas Gewand. Die Bekleidung gehörte ihm zur Person, sie istnicht davon zu trennen, nicht zu unterscheiden. Die Bewegungdes Körpers ist eine verborgene und doch sichtbare, sie zeichnet indem Wurfe der Falten die Glieder, und in jeder Falte sprichtsich der Charakter der Figur aus. Auf unserem Bilde ist derFaltenwurf wahr, einfach und in der Einfachheit groß. Niemalshemmt das Gewand die Figur in ihrer Bewegung, nirgend ver-rät!) es eine Spur, daß es einer mechanischen Figur nachgebildetsei, es ist immer und überall der Person wegen, und niemalsist die Person des Gewandes wegen da. Ein anderes ist derSchauspieler, der einen Helden, einen Alexander den Großen, einenCäsar darstellt, und ein anderes ist der Held selbst. Die Maskeund die Dekorationen offenbaren nur zu leicht, was sie verhüllensollen H.
Wie sich die Glieder zur ganzen Figur, so verhalten sich dieeinzelnen Figuren zur Gruppe. Wie die Glieder in ihrer Bewe-gung an bestimmte Gesetze gebunden sind, wenn diese Bewegungschön sein soll, so unterliegt auch die Anordnung der schönenGruppe gewissen Regeln. Gerade Zahlen vermeidet der Künst-ler, und wenn er nicht durch überwiegende andere Rücksichten ge-bunden ist, wählt er immer ungerade Zahlen H. Demselben Ge-setze, nur aus einem anderen Gebiete, folgend, vermeidet er hori-zontale, nach oben hin abschneidende Linien. Das Kunstwerk istseiner Natur nach aus das Unendliche gerichtet, es kann nicht stillestehen, kann sich nicht abschließen, es muß fortschreiten und immerwachsen. Aber auch diese Richtung muß eine ursprüngliche sein;das Unendliche verliert seinen Charakter, sobald es gesucht oderAbgötterei wird. Die gerade Zahl ist wie die horizontale Linie,eine abgeschlossene und abschließende; aber in der ungeraden Zahl,in der aufsteigenden, pyramidalen Linie, spricht sich das Werdende
t) Vgl. Raphael Mcngs I., S. 139.
2 ) Vgl. Raphael Mengs II., S. 49.