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Durst nach dem Höchsten und Vollendeten, nach dem Idealen ent-zünden, bis zu dem Zustande, daß er nicht mehr um sich selbstweiß, daß er sich selbst vernichte, damit aus dieser Selbstvernich-tung das ächte wahre ewige Kunstwerk entspringe. Wo man's nichtzu dieser Selbstvernichtung gebracht hat, da mag die Sprachedes Dichters, die Farbe des Malers einen Augenblick fesseln, aberdas Gebilde, welches sie trägt, ist in sich todt und leer. Wo dieMuse der Dichtkunst nichts ist als eine Komödiantin, wo die Museder Malerei, wenn sie anders eine hätte, nichts versteht, als Gegen-stände der Natur nachzubilden und sich nur in Masken zu hüllen,da wird die leichte Frucht der Phantasie, welche einen Augenblickvon dem Frühroth eines jugendlichen Geistes beschienen worden,von selbst verwelken, abfallen und verschwinden.
„Das beste Genie, sagt Goethe, ist das, welches Alles in sichaufnimmt, sich Alles znzueignen weiß, ohne daß es der eigentlichenGrundbestimmung, demjenigen, was man Charakter nennt, in minde-.sten Eintrag thue, vielmehr solches erst noch recht erhebe und durchausnach Möglichkeit befähige", und damit hat Goethe sich selbst undzugleich Raffael gezeichnet, mit dem man ihn in mehr als einerBeziehung vergleichen kann, und der in dem kleinsten Gedichte nochGoethe, wie Raffael in dem kleinsten Bilde noch Raffael ist.
Im Kleinen wie im Großen, selbst in der kleinsten Falte offen-bart sich die künstlerische Treue Raffaels. „Alle Falten, sagt Mengs,haben bei Raffael ihre Ursachen, es sei durch ihr eigenes Gewichtoder durch die Ziehung der Glieder. Manchmal sieht man inihnen, wie sie vorher gewesen Z." Raffael hat auch in der FalteBedeutung gesucht; aus Zeichnungen desselben, die sich früher indem Kabinette Marietta's befanden, kann man den Künstler auchhier auf seinem Gange verfolgen: ein-, zwei-, dreimal änderte erseine Zeichnung ab, einmal zeichnet er dieselbe Figur nackt unddann zeichnet er dieselbe Figur bekleidet, um zu prüfen, ob dasGewand dem Körper überall in seiner Bewegung folge und seine
>) S. Raphael Mengs Schriften, 2. Bd. S. 49.
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