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Raffaels Disputa
Entstehung
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Man fragt, ob Raffael das große Feld der Geschichte inder Theologie, wie das der Philosophie in der Schule von Athen,woher er den Stoff zu diesen Gemälden genommen, allein oderan der Hand sachkundiger Führer durchwandert habe? Wärenauch keine positiven Zeugnisse und Andeutungen vorhanden, so wür-den wir uns dennoch für die letztere Ansicht erklären. Raffaelhatte unter Dichtern und Theologen, wie Ariosto, BemboH, Sa-dolet, Bekannte und Freunde, welche ihm auf diesem Felde alsFührer dienen konnten, und wenn er sich ihrer Leitung bediente,so wird dadurch sein Verdienst und sein Ruhm schlechterdingsnicht geschmälert. Wir finden darin ein Lob für Raffael undeinen Beweis für seine Gewissenhaftigkeit, mit der er überhauptarbeitete. Woher er auch den Stoff geschöpft haben mochte, ernahm denselben ganz in sich auf, und erhob sich zu jener völligenHerrschaft über denselben, ohne welche der Künstler nie ein leben-diges Kunstwerk darstellen wird. Der Neichthum des Vorwurfswürde manchen Künstler besiegt haben; mancher würde der Ver-suchung nicht haben widerstehen können, Figuren auf Figuren zu- häufen, und das Bild unter diesen Haufen von sich drängenden,schiebenden, verdeckenden Figuren zu erdrücken. Der Dichter wieder Maler muß, damit die Kunst in ihm gedeihe und lebendigwerde, sich mit dem Marke aller Zonen nähren, Alles was ersieht, berührt, was er thut und leidet, muß sich um ihn her indas Gold seiner Idee verwandeln, und einen nie zu stillenden

r) Platner und Paffavant wenden dagegen ein, der Cardinal BemLo seidamals nicht in Rom gewesen! Als wenn BemLo, um Raffael seine Gedankenmitzutheilen, hätte in Rom sein müssen. Auch in Rom selbst würde BemLoRaffael seine Gedanken schriftlich ausgezeichnet haben, warum hätte er ihm denndieselben nicht auch aus der Ferne zusenden können?