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Raffaels Disputa
Entstehung
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in seiner vollen Macht hervor auf dem untern Theile des Bildes.Hier erblicken wir einen Knaben, einen Jüngling, der durch dieeigene That dem Bösen noch nicht verfallen, lediglich durch dieGeburt, durch das vitium oi-l^ims der Macht des Bösen preis-gegeben ist, von ihm eingenommen und in einer Weise beherrschtwird, welche Schrecken einflößt. Indem uns nun hier das Böseiu seiner schauerlichen Machtentfaltung und das Elend des Men-schen und seine Hülflosigkeit in den stärksten Farben vorgestelltwird, erkennen wir über dieser Scene den Heiland in unaussprech-lichem Glanze und Herrlichkeit, als den Sieger über die Machtdes Bösen!

Den Moment, wo das Böse überwunden ist, hat Raffaelnicht gewählt, sondern wo es überwunden wird. Das Werdendeinteressirt, das Gewordene nicht. Aber indem er das Böse sodarstellt und das Gemüth in Aufruhr setzt, beruhigt er dasselbezugleich, indem die sichere Heilung unten angedeutet wird, die sichoben im herrlichsten Glanze offenbart.

Einen Gegensatz der Art hat Raffael auf unserem Bilde nichtdargestellt. Hier ist der untere Theil der Abglanz, der Reflex

des oberen; was hier erforscht, geglaubt, dunkel erkannt wird,tritt oben in voller Klarheit uns entgegen; der Schleier, welcherdem sinnlichen Auge die Geheimnisse, des Himmels zudeckt, dendie Sterblichen nur mühsam lüften, ist hier hinweggezogen.Jetztsehen wir noch dunkel wie durch einen Spiegel räthselhaft, einstaber von Angesicht zu Angesichts."

Der Christ glaubt und bekennt ein ewiges, allmächtiges, all-wissendes, allgütiges, unveränderliches Urwesen, welches Alles,was da ist, aus Nichts erschaffen hat, welches Alles erhält undregiert.

Ein Wesen von unendlichen Eigenschaften, von unendlicherMacht, Größe, Weisheit, verhält sich zu dem Menschen wie dasUnendliche zu dem Endlichen; ihm gegenüber ist der Mensch we-

>) Paulus I. Corinthcr 13, 12.